Stimmen zum Buch

„Mauerfall und Wendezeit" - was für ein grandioses Buch!

Die Zeit rings um die Wende benötigte keine Dichter, denn das Leben hat die
oft traurig-bewegenden aber auch schönsten Geschichten geliefert. Um das
Geschehen festzuhalten, mussten Polizeibeamte zu Autoren werden. Rings um
das Redaktionsteam mit dem ehemaligen Leiter der Schutzpolizei im
Regierungsbezirk Braunschweig und späterem Regierungspräsidenten Helmut Dohr
hat sich ein Kreis von 24 Männern aus West und Ost erinnert und verdient
gemacht. Dabei wird unterstrichen, wie schmal der Grat zwischen friedlicher
und militärischer Auseinandersetzung war.

Aus „Mauerfall und Wendezeit" geht hervor, dass es der Polizei erfolgreich
gelungen ist, die Hände für einen Neubeginn auszustrecken. Helmut Dohr,
dessen Beitrag „Nicht ohne Skepsis" mich besonders nachdenklich stimmte,
macht sehr deutlich, wie lange es gedauert hat, bis hinter den
Klischeevorstellungen von Ost und West der Mensch aufgetaucht ist. Als
Kaiserstädter kenne ich Hans Reime und fühle mich bei seiner Erinnerung an
den „Karneval in Goslar" in die bewegten Tage der Grenzöffnung versetzt.
Andreas Krautwald schreibt über „The wind of change" - welch dramatischer
Rückblick aus der Sicht eines Mannes, der als Polizist in der DDR erleben
musste, wie das Volk dem Staat die „rote" Karte zeigte.

Dieses Buch zu lesen, hat sich für mich gelohnt und dafür sage ich herzlichst Dank.

(Hans Kraus - ehemaliger Chefredakteur der Goslarschen Zeitung)

 

Mauerfall und Wendezeit

Die Beiträge dieses Buches nehmen einen gefangen, weil sie das unmittelbare
und von Nichtbeteiligten unbeeinflusste Erleben dieses „Wahnsinns" durch die
Menschen wiedergibt, die unmittelbar am Ort des Geschehens tätig waren. Hier
wird keine „Hochgeschichte" aus übergeordneter Warte erzählt sondern das
Eingebundensein der selbst von den Ereignissen Betroffenen in die zunächst
völlig ungesteuerten und nicht steuerbaren Abläufe geschildert. Und dies
durchweg in einer Sprache, die die persönliche Empfindungen der Schreibenden
und ihre innere Erregung und Aufgeregtheit, dieses in der Geschichte einmalige
Geschehnis mitzuerleben, bei allen Schreibern deutlich werden läßt. Dadurch
liest das Buch sich wie ein spannender Roman. Kein Beitrag ist langweilig!
In fast alle Artikeln wird deutlich, wie die Ereignisse jeweils in Ost und
West anders verarbeitet werden. Im Westen herrschte und herrscht eindeutig
Freude und Befriedigung vor, gepaart mit einem Gefühl, die Ärmel hochkrempeln
zu müssen und auch Opfer zu bringen, um die von der Verfassung geforderte
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in beiden Teilen Deutschlands zu
erreichen. Im Osten wird die Freude über die vom Volk der DDR erstrittene
und erreichte Freiheit und Einheit und über die erwartete Verbesserung der
Lebensverhältnisse doch vielfach von Sorgen über das künftige persönliche
und berufliche Schicksal beschattet. Statt auf viele verweise ich auf die
anrührende Schilderung dieser Besorgnisse in dem Beitrag von Helmut Dohr
unter der Überschrift „Landnahme" (S.68 ff). Dessen Feststellungen betreffen
zwar nicht Menschen aus oder in der Polizei, aber die von Polizeiangehörigen
aus dem Osten verfassten Artikel (Dr.Bernig, Bräuning u.a.) weisen auf
Gleiches hin.

In meinen Augen ist dieses bemerkenswerte Buch, das eine Lücke in der
Literatur über die Wiedervereinigung schließt, vielleicht ein wenig
„westlastig", weil die allgemeinen und speziell polizeilichen Verhältnissen
der DDR teilweise ausführlich erklärt werden. Für westliche Leser eine große
Hilfe! Umgekehrt wird für Leser aus dem Osten verhältnismäßig wenig über
westdeutsche Gegebenheiten ausgesagt. Sollte es zu einer 2. Auflage kommen,
was zu wünschen ist, könnte hier eine Ergänzung vorgenommen werden und
vielleicht auch der ein oder andere ausgeschiedene höhere Polizeiführer der
Volkspolizei zu Wort kommen. Deren Stimme fehlt in dieser lebendigen Reportage.

Sehr lesenswert!

(Klaus-Peter Weiß)