Buch polgeschPolizeigeschichte miterlebt

Die Sammlung "Polizeigeschichte miterlebt – Zeitzeugnisse aus den Anfängen der niedersächsischen Polizei" ist mitten aus dem Leben gegriffen. Sie bündelt das, was junge Menschen in dieser Gründungsphase der Bundesrepublik erlebt, gedacht und getan haben auf ihrem Weg in die Polizei.

Vieles von dem ist inzwischen in Vergessenheit geraten. Oder es haben sich Legenden gebildet. Unreflektierte, ungenaue und zum Teil auch falsche Bilder sind entstanden, die mit der Realität dieser Jahre wenig gemein haben. Dem kann man vornehmlich dadurch begegnen, dass man Zeitzeugen befragt. Und es gibt sie ja noch, die Menschen, die diese Zeit erlebt und zum Teil auch durchlitten haben. Zwar sind auch deren Aussagen, wie könnte es anders sein, Ausdruck subjektiven Empfindens. Und die menschliche Erinnerung lässt nun einmal nach im Laufe der Zeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine um Objektivität bemühte Betrachtungsweise auf Zeugnisse dieser Art verzichten könnte.

Bei alledem ist ein Projekt entstanden, das nicht nur für aktive und im Ruhestand befindliche Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, sondern für die breite Öffentlichkeit eine spannende Lektüre bietet. Gerade die junge Generation findet hier, auch wenn die Rahmenbedingungen gänzlich andere waren, manche Parallele zur Gegenwart. Unzureichende Ausbildung, Orientierungsprobleme, Arbeitsmangel und Perspektivlosigkeit sind auch damals die drängenden Fragen vieler junger Menschen gewesen. Und doch ist es weitergegangen – ein Buch, das Hoffnung machen, Zuversicht wecken und zum Dialog der Generationen beitragen kann.

Am wirtschaftlichen Aufstieg nahm die Polizei nur allmählich teil. Polizeianwärter erhielten damals rd. 100 DM monatlich bei freier Unterkunft und Verpflegung. Doch der Beruf bot Sicherheit in einer aus den Fugen geratenen Welt. Das war für viele der eigentliche Grund, Polizeibeamter zu werden.

In der Rückbesinnung verklärt sich manches. Doch der Kern dessen, was die Autorinnen und Autoren schildern, entspricht der Realität jener Jahre. Man wusste, was man nicht wollte. In der Ablehnung der NS-Verbrechen waren sich alle einig. Auch über die Ziele des Neuaufbaus gab es keine Zweifel: Man wollte Demokratie, Rechtsstaat und Zivilgesellschaft. Aber der Weg dorthin war von Unsicherheiten geprägt. Und manches blieb zunächst auch im Gestrigen stecken. Das zeigte sich auch in den frühen Jahren der Polizei.

Preis: 24,90€